Nachhaltigkeitsbericht 2016

Stand 01.08.2016

 

1. Einleitung und kritische Betrachtung

1.1 Warum ein Nachhaltigkeitsbericht?
1.2 Kritik am ausufernden Berichtswesen
1.3 Inhalt eines Nachhaltigkeitsberichts
1.4 Wer sind "GRI" und „EMAS“?
1.5 Notwendiger Aufwand
1.6 Fazit

 

2. Nachhaltigkeitsengagement der Stadtwerke Hattingen GmbH

2.1 Zusammenfassung Nachhaltigkeitsengagement
2.2 Ökonomische Nachhaltigkeit
2.2.1 Grundsatz
2.2.2 Gegenstand unserer Tätigkeit
2.2.3 Energieeffizienz fördern heißt soziale Ungerechtigkeit verstärken
2.3 Soziale Nachhaltigkeit
2.3.1 Soziales Engagement; Aktivitäten in der Stadt fördern
2.3.2 Kunden aktiv am Betrieb teilnehmen lassen
2.4 Ökologische Nachhaltigkeit
2.4.1 Vorsicht bei Investitionen im Rahmen der Energiewende – Europa global bedeutungslos
2.4.2 Öko-Trends: Leuchtenkoffer, regenerativ erzeugter Strom, Energieausweis, Erdgasfahrzeuge
2.4.3  Elektromobilität unterstützen
2.4.4 Wasserqualität als Beispiel für selbstverständliche Nachhaltigkeit

 

3. Schlussbemerkungen

 

1. Einleitung und kritische Betrachtung

 

1.1 Warum ein Nachhaltigkeitsbericht?

Seit den 1990er Jahren gibt es Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen, Organisationen und sogar Behörden. Diese Reporte entstanden aus den bis dahin üblichen Umweltberichten, in denen jedoch nur die Umwelt­verträglichkeit des Handelns beleuchtet wurde. "Nachhaltigkeit" umfasst zwar auch die Ökologie, geht aber über rei­ne Umweltaspekte hinaus. Das Wort meint das Prinzip, "nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann“ (Zitat: Duden).

Nur große Kapitalgesellschaften­ sind nach Handelsrecht verpflichtet, „nicht-finanzielle Leistungsindikatoren anzugeben“, worunter man möglicherweise einen Nachhaltigkeitsbericht subsumieren könnte. Eine explizite Rechtspflicht ist jedoch nicht definiert (kursiv: Zitat aus Wikipedia):

Die Notwendigkeit eines Lageberichtes ergibt sich aus §289 HGB. Für Konzernlageberichte ist zusätzlich DRS 20 (= Deutscher Rechnungslegungsstandard, die "Bibel" der Buchprüfer) anzuwenden. Dies gilt auch für Lageberichte von Einzelabschlüssen (faktische Anwendungspflicht), sofern dadurch der Gesetzestext des HGB konkretisiert wird. Gemäß den deutschen Rechnungslegungsstandards unterliegt der Lagebericht den konstitutionellen Kriterien der Klarheit und Übersichtlichkeit.

Große Kapitalgesellschaften müssen weiterhin auch nicht-finanzielle Leistungsindikatoren angeben.

Damit gibt es derzeit in Deutschland und in der EU keine Pflicht, einen Nachhaltigkeitsbericht zu verfassen und zu veröffentlichen.

Die Vereinten Nationen haben 2015 ihre SDGs („sustainable development goals“) verabschiedet. Mit diesen 17 Zielen soll Nachhaltigkeit als globaler Standard verankert werden. Die EU arbeitet seit Jahren an einer Richtlinie, die durch Zustimmung der jeweiligen Regierungen und des EU-Parlamentes in einzelstaatliches Recht umgesetzt werden soll. Die Bundesregierung hat im Juni 2016 ihre „Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie“ vorgestellt, zu der bis Ende Juli 2016 Stellungnahmen abgegeben werden können; diese hat aber keinen verpflichtenden Charakter, ist sie doch weder Gesetz noch Verordnung.

Die Nachhaltigkeitsberichtspflicht auf Basis der EU-Richtlinie soll zwar 2017 greifen, jedoch in abgeschwächter Form gegenüber früheren Zielen. Treffen soll diese Pflicht Unternehmen „des öffentlichen Interesses“, die mehr als 500 Mitarbeiter oder mehr 40 Millionen Euro Jahresumsatz haben. Die Stadtwerke Hattingen wären damit nicht betroffen. Ohnehin bleibt abzuwarten, ob dieses Projekt – das ja zu Mehrarbeit, Mehrkosten und Aufdeckung von Betriebsinterna führen würde – von allen Staaten akzeptiert wird. Zweifel sind angesichts der derzeitigen Situation in der EU wohl angebracht.

Freiheit der Darstellung

Damit können die Unternehmen derzeit frei entscheiden, ob sie einen Nachhaltigkeitsbericht publizieren und dürfen darin darstellen, was ihnen wichtig erscheint. Meist wollen sich Unternehmen aus bestimmten Motiven in der Öffentlichkeit präsentieren:

  • Verbraucher entscheiden sich für die Produkte eines Unternehmens auch wegen dessen Engagements beim nachhaltigen Handeln,
  • das Vertrauen zum Unternehmen soll gestärkt werden,
  • die eigenen Mitarbeiter sol­len informiert und motiviert werden,
  • die Öffentlichkeit soll unterrichtet sein, um die Glaubwürdigkeit des Unter­nehmens zu festigen.

Von den Stadtwerken erwartet die Öffentlichkeit trotz fehlender Pflicht einen Nachhaltigkeitsbericht. Wir möchten hierin auf aktuelle Probleme aufmerksam machen, unser Engagement aufzeigen und das Verständnis für unser Handeln vertiefen.

 

1.2 Kritik am ausufernden Berichtswesen

Schon die vorgeschriebenen Jahresabschlüsse und Lageberichte haben alle relevanten Informationen zum Unterneh­men jährlich aufzuzeigen; so ist es z.B. im deutschen Handelsgesetzbuch (§ 264 ff.) ver­pflichtend festgelegt. Der zusätzliche, freiwillige Nachhaltigkeitsbericht greift dabei lediglich einen derzeit politisch besonders betonten Aspekt heraus. Daran mehrt sich die Kritik. So hat die NZZ - Neue Zür­cher Zeitung in einem Beitrag vom 26.12.2015 über eine Untersuchung der Universität St. Gallen be­richtet, wonach den Nachhaltig­keitsberichten bei Analytikern, Medienschaffenden und professionel­len Investoren „offenbar eine ge­ringe Bedeutung zugemessen wird und sie praktisch nicht zur Ent­scheidungsfindung benutzt werden. Sie seien zu komplex, zu verwirrend und nicht vergleichbar“. Al­lerdings werde es auch negativ vermerkt, wenn gar kein Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt wird.

In der Schweiz haben nach Feststellung einer dortigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft 2014 nur 0,02 % der rund 56.000 Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht, dies mit leicht steigender Tendenz. In Deutschland dürften die Zahlen ähnlich niedrig sein, jedoch stehen insbesondere öffentliche Unternehmen unter stärkerem Druck, sich entsprechend zu präsentieren.

Dabei hatte die Neue Zürcher Zeitung schon am 24.12.2015 unterstrichen, dass das primäre Ziel einer Geschäftstätigkeit darin bestehe, unter Einhaltung des geltenden Rechts Gewinne zu erwirtschaften, was "harte Arbeit" sei. Wirtschaftliche Unternehmen seien keine "Weltverbesserungsvehikel".

 

1.3 Inhalt eines Nachhaltigkeitsberichts

Es gibt keinen Pflichtinhalt, sondern lediglich Empfehlungen, manche sogar auf globaler Ebene. Jedes Unternehmen ist frei zu publizieren, was es für berichtenswert hält.

Viele Unternehmen halten sich an die Vorgaben von Beratungsorganisationen, die Richtlinien mit Mindestinhalten und Bewertungskriterien für alle aus ihrer Sicht relevanten Punkte entwickeln. Dadurch sollen Nachhaltigkeitsberichte ver­gleichbar werden und wohl auch einen gewissen "amtlichen" Charakter bekommen. Jedoch sind sie für den Normalleser durch die Fülle der abgefragten und eingearbeiteten Informationen nicht sehr verständlich. In der Regel sind solche Berichte mit Texten und Daten überladen, insbesondere bei großen Firmen. So umfasst beispielsweise der Nachhaltigkeitsbericht eines namhaften deutschen Energieversorgers für 2014 immerhin 216 Seiten mit einer immensen Datenfülle.

Empfohlen wird von den Beratungsunternehmen, der Nachhaltigkeitsbericht solle alle 3 bis 4 Jahre ein Bild des Unter­nehmens, seiner Dienstleistungen und Aktivitäten zeichnen. Alle Informationen sollen wahr und nach­vollziehbar sein, Stärken und Schwächen des Unternehmens sollen offengelegt werden - für In­dustriespione also eine vielversprechende Informationsquelle...

Führende Beratungsorganisationen, an deren Empfehlungen sich viele Unternehmen halten, sind u.a. GRI und EMAS / UGA. Die GRI (Global Reporting Initiative) mit Sitz in Amsterdam empfiehlt in ihrer aktuellen Richtlinie G4 von 2013, die nachstehenden Aspekte im Nachhaltigkeitsbericht zu beleuchten und mit unterschiedlichen Punktwerten zu versehen. Wohlgemerkt, es geht nicht nur um die reine Beschreibung, vielmehr sollen die Aktivitäten zusätzlich in ihrer Bedeutung durch unterschiedliche Punkthöhen nachvollziehbar be­wertet werden:

Strategie und Analyse
Organisationsprofil
Berichtsparameter
Governance, Verpflichtungen und Engagement
Managementansatz und Leistungsindikatoren
Ökonomische Leistungsindikatoren
Ökologische Leistungsindikatoren
Gesellschaftliche Leistungsindikatoren:
Arbeitspraktiken & Menschenwürdige Beschäftigung
Menschenrechte
Gesellschaft


Audits kann man gar nicht genug haben. So gibt es weitere zwingende Untersuchungen, denen u.a. die Energieversorger nach Gesetz unterzogen werden. Als Beispiel mag das Audit nach dem Energiedienstleistungsgesetz EDLG dienen, das ab Dezember 2015 alle vier Jahre stattfindet. Dessen Ziel ist es, „einen gemeinsamen Rahmen für Maßnahmen zur Förderung von Energieeffizienz in der Union zu schaffen“, um bis 2020 in der EU 20 % Energie einzusparen. Auch hier sind klare Überschneidungen zu den GRI- und EMAS-Berichten festzustellen. Die Stadtwerke Hattingen sind aber kein Institut zum Verfassen selbstdarstellerischer Berichte, sondern eine Einrichtung zur Versorgung der Bevölkerung!

 

1.4 Wer sind "GRI" und „EMAS“?

GRI - Global Reporting Initiative

Die GRI wurde 1997 mit dem Ziel gegründet, "einen weltweit anerkannten Leitfaden für die freiwillige Berichterstattung über ökonomische, ökologische und soziale Leistungen von Organisationen zu ent­wickeln".

Wer ist nun in dieser führenden Richtlinien-Gesellschaft organisiert, und welche wirtschaftlichen oder politischen Interessen werden dort unterstützt? Über Internetsuchmaschinen findet man die Aussa­ge, es handele sich um eine "Kooperation von hunderten Unternehmen, Investoren, Ratingagenturen, Wirtschaftsprüfern, Verbänden, Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Wissen­schaftlern". Etwas versteckt liest man auf der GRI-Website bekannte Namen wie u.a. BASF, Solvay, Fuji-Xerox, Nestlé und Rabobank.

Spannend wird es auf Seite 97 der aktuellen deutschen Fassung der "Leitlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung - G4". Es finden sich dort die Logos der Mitglieder des GRI-Konsorti­ums. Dabei sind u.a. die "Großen Vier", nämlich die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirmen Deloitte, Ernst & Young, KPMG und PwC (Pri­cewaterhouseCoopers).

Diese vier Firmen sind offensichtlich unmittelbar an der Erarbeitung der maßgebenden Richtlinie beteiligt, an der sich alle berichtenden Unter­nehmen orientieren sollen. Da ver­wundert es nur wenig, dass diese Vorgaben ausgesprochen umfassend ausfallen - und zwar so umfassend, dass ein durch­schnittlicher Betrieb wohl teuren externen Sachverstand einkaufen muss, um einen richtlinienkon­formen Bericht zu erstellen. Naheliegend ist es daher für das berichtende Unternehmen, z.B. eine der beteiligten Unternehmensberatungen hinzu zu ziehen. Ein Schelm, der Arges dabei denkt...

EMAS - Eco-Management and Audit Scheme

Ein weiterer - nur europäischer und nicht globaler - Beratungsansatz ist EMAS, in Deutschland vom Umweltgutachterausschuss UGA in Berlin repräsentiert, der sich u.a. aus Behörden- und Unternehmensmitarbeitern zusammensetzt. EMAS be­schränkt die Darstellung auf reine Umweltaspekte, wie der englische Titel bereits suggeriert ("Eco-Manage­ment and Au­dit Scheme"). Dieses System basiert auf einer der unzähligen EU-Richtlinien, hier der 1836/93, die bis heute mehrfach modifiziert wurde. In Deutschland wurde die Richtlinie durch das Umwelt-Auditgesetz von 1995 in nationales Recht umgesetzt und mittlerweile mehrfach fortgeschrieben. Bekannt ist EMAS unter dem Schlag­wort "Öko-Audit".

Ziele sind die Messung und Veröffentlichung der Umweltauswirkungen des Unter­nehmens, "um diese im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu verbessern" - womit die Schnittstelle zum Nachhaltigkeitsbericht deutlich wird: Ökologie ist einer der Bestandteile von Nachhaltigkeit.

 

1.5 Notwendiger Aufwand

Im Internet sind die Nachhaltigkeits- und Umweltberichte vieler namhafter Firmen frei verfügbar. Gerade bei großen Unternehmen wird schnell der gewaltige Aufwand er­kennbar, der für diese Veröffentlichungen betrieben wird – manche umfassen mehrere Hundert Seiten. Jedoch geht dies deutlich zu Lasten der Verständlichkeit. Wer den Bericht eines global tätigen Unternehmens durchblättert, wird regelmäßig vor der Komplexi­tät der Darstellung kapitulieren. Kurze, knappe und allgemeinverständliche Darstellungen sind die Ausnahme. Damit mag ein GRI- oder EMAS-Bericht vielleicht für einige Experten im Geschäftsverkehr informativ und hilfreich sein - wenngleich auch das nach der Sankt-Gallen-Studie zu bezweifeln ist. Ein "Normalsterblicher", obwohl Adressat, wird solch komplexe Berichte eher gar nicht lesen, und für die Öffent­lichkeit dürfte lediglich die Erkenntnis bleiben, dass überhaupt ein Nachhaltigkeitsbericht erstellt wurde. Das macht solche Reporte zu lukrativen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Spezialisten.

Der empfohlene Umfang der Berichte führt zwangsläufig zur Frage nach den Kosten. Ein mittelständischer Betrieb dürfte selbst nicht in der Lage ist, derart umfassende Werke nach GRI-Standard mit dem vorhandenen technischen und kaufmännischen Personal zu erarbeiten.

Externer Sachverstand ist folglich nötig, und die einschlägigen Beratungsfirmen verlangen hohe Preise. So hat die Universität Zürich in einer Erhebung 2013 festgestellt, dass die Mehrzahl der Schweizer Firmen zwischen 50.000 und 200.000 Franken für einen Nachhaltigkeitsbericht ausgibt, also etwa 46.000 - 184.000 €. Ein solcher Geldbetrag muss durch das Unternehmen im Wettbewerb erst einmal verdient werden. In der Regel fehlt diese Summe am Jahresergebnis, gerade bei kleineren Firmen. Die internen Kosten für zuarbeitende Mitarbeiter etc. kommen noch hinzu. Wie auch andere von der Politik geforderte Aktivitäten führen derart ausufernde und teure Berichte "von der Wertschöpfung zur Abschöpfung".

 

1.6 FAZIT:

Die Stadtwerke Hattingen GmbH hat sich nach Würdigung der vorstehenden Betrachtungen entschieden, die GRI-/EMAS-Empfehlungen zur Kenntnis zu nehmen, den eigenen Bericht jedoch mit eigenen Kräften kostengünstig so kurz und knapp zu fassen, dass er für den Normalleser verständlich bleibt. Wir wollen die Öffentlichkeit erreichen und kein teures, überfrachtetes und unverständliches Werk abliefern.

Damit wird sich der Nachhaltigkeitsbericht der Hattinger Stadtwerke in Länge und Schreibweise bewusst deutlich vom vorgegebenen Muster unter­scheiden.

 

2. Nachhaltigkeitsengagement der Stadtwerke Hattingen GmbH

2.1 Zusammenfassung Nachhaltigkeitsengagement

Die Stadtwerke Hattingen GmbH ist ein nachhaltig und umweltfreundlich arbeitendes Unternehmen der Energie- und Wasserversorgungswirtschaft. Schwerpunkte der Tätigkeit sind die Versorgung der Stadt und der Region Hattingen mit Erdgas, Strom und Trinkwasser:

  • Hierzu verkaufen die Stadtwerke Strom, Gas und Wasser in der Stadt und der Region.
  • Sie betreiben das Gas- und das Wassernetz in Hattingen und richten sich für die Zukunft aus, indem sie auch das Hattinger Stromnetz von einem ortsfremden Unternehmen erwerben, um es nach einer Verpachtungsphase ab 2028 selbst zu betreiben.
  • Außerdem sind sie für die Messstellenbetriebe Gas und Wasser zuständig. Sie beabsichtigen ferner, einen Messstellenbetrieb Strom aufzubauen.

 

Ein kleines Unternehmen wie die Stadtwerke Hattingen GmbH, das unter kontinuierlich veränderten Bedingungen seit Jahrzehnten bestehende und neue Aufgaben erfüllt, dabei Überschüsse erwirtschaftet, Arbeitsplätze sichert bzw. neu schafft, die Umwelt schützt und

  • die sehr weit reichenden Gesetze der Bundesrepublik befolgt (insbesondere die Umwelt-, Sozial- und Finanzgesetze),
  • den Anforderungen der Märkte gerecht wird,
  • seine Mitarbeiter nicht ausbeutet,
  • ökologische Trends aufgreift und sich sogar als Vorreiter präsentiert (z.B. Elektrofahrzeuge),
  • das gesellschaftliche Leben der Stadt unterstützt,
  • seit rund 100 Jahren besteht,

darf sich zusammenfassend nach den gängigen Definitionen fraglos als nachhaltig tätiges Unternehmen bezeichnen.

 

2.2 Ökonomische Nachhaltigkeit

2.2.1 Grundsatz

Die wichtigste Regel für die ökonomische Nachhaltigkeit eines Unternehmens lautet: man muss mehr einnehmen als man ausgibt. Das klingt einfach, erweist sich aber in der Praxis mit ihren harten Bedingungen oft als sehr anspruchsvoll. Gewarnt werden muss davor, die Fähigkeit zur Gewinnerzielung einfach vorauszusetzen und einem Unternehmen zusätzliche tätigkeitsferne Lasten aufzubürden.

Unsere prioritäre Aufgabe liegt stets darin, Geld zu verdienen. Nur dann können wir Steuern zahlen, unsere Mitarbeiter entlohnen und - als öffentlicher Betrieb - für das Allgemeinwohl tätig werden.

 

2.2.2 Gegenstand unserer Tätigkeit

Gegenstand der unternehmerischen Tätigkeit der Stadtwerke Hattingen GmbH war ursprünglich die Versorgung der Bevölkerung der Stadt Hattingen mit Erdgas und Trinkwasser, außerdem der Betrieb des Gasnetzes und des Frischwassernetzes. Zwischenzeitlich wurde dieser Unternehmenszweck inhaltlich um den Stromverkauf und räumlich um die "Region Hattingen" erweitert. Neu ist ferner die Rückführung des Stromnetzes vom bisherigen privaten Betreiber in die kommunale Regie ab 2017 (= Rekommunalisierung).

Der „Mantel Stadtwerke“ bildet heute die Klammer für ein integriertes Unternehmen, das aus mindestens sieben Einzelunternehmen besteht, für die separate Abschlüsse zu erstellen sind und die fast alle im Wettbewerb stehen. Dem gegenüber stehen die hohen Renditeerwartungen der (öffentlichen) Anteilseigner, jedoch werden unsere Erträge durch rechtliche und politische Vorgaben immer mehr beschnitten. Realistische Möglichkeiten, diese Ausfälle zu kompensieren, sind derzeit nicht zu erkennen.

 

2.2.3 Energieeffizienz fördern heißt soziale Ungerechtigkeit verstärken

Energieeffizienz bedeutet, weniger Gas, Strom und Treibstoffe zu verbrauchen. Dieses Bemühen ist prinzipiell gut, führt aber auch zu sozialen Ungerechtigkeiten, mit denen wir nicht einverstanden sind. Hier einige Beispiele:

Gas

Seit Jahren wird z.B. die Energie-Einsparungsverordnung zunehmend strenger gefasst. Das führt bei Neubauten und Sanierungen zu höheren Kosten, die sich nicht mehr jeder leisten kann. Auch die Energieversorger spüren diese Entwicklung in den Umsätzen, lassen die verstärkte Dämmung der Gebäude sowie neue/alternative Heiztechniken doch seit Jahren den Gasabsatz zurückgehen. Die Kosten für die Leitungsnetze sinken aber infolge der alternativen Heizungen nicht, sondern müssen schlicht auf immer weniger durchgeleitete Kubikmeter verteilt werden. Das ungerechte Ergebnis: wer es sich leisten kann, weniger Gas zu verbrauchen, weil er mit einer Alternative heizt, muss weniger zu den Netzkosten beisteuern - dies sind meist die Hausbesitzer. Wer dagegen einzig mit Gas heizt, wird verstärkt mit Netzkosten belastet - in der Regel sind dies Wohnungsmieter.

Das hat zum Anstieg der Netzentgelte für die verbliebenen Gasverbraucher geführt. Das Netz muss aber für alle Anschlussnehmer vorgehalten werden, denn auch der „Alternativ-Heizer“ braucht bei schwierigen Wetterlagen Gas und entnimmt es – in geringeren Mengen - dem Netz, zahlt folglich auch nur geringere Netzkosten. Diese Ungerechtigkeit wird nun abgebaut, indem die Netzentgelte seit kurzem in einen Grundpreis- und einen Arbeitspreisanteil aufgespalten werden. Im Sinne einer Anschluss- und Nutzungspauschale soll der Grundpreisanteil in den kommenden Jahren immer weiter steigen, der Arbeitspreisanteil sinken.

Von 2007 bis 2015 sind die Netzentgelte um 16 % gestiegen. Die Gaspreiszusammensetzung 2015 sah für Haushalte bei 23.269 kWh/Jahr etwa wie folgt aus (Quelle: bundesnetzagentur.de). Die Zahlen variieren je nach Region/Stadt, und die ab 10/2015 neu eingeführte Bilanzierungsumlage fehlt hier noch:

Strom

Besonders beim Strom wird die verworrene Klimapolitik deutlich, die sich seit etwa 10 Jahren auf diese Energieart konzentriert. Das erstaunt, denn Stromanwendungen haben nur einen Anteil von rd. 20 % am deutschen Energieverbrauch, Wärme mit ca. 50 % und Treibstoffe mit ca. 30 % dagegen viel bedeutendere Anteile und wären eigentlich die besseren Startpunkte für eine erfolgreiche Klimapolitik gewesen.

Als Folge der "Ökologisierung der Stromproduktion" hat Deutschland mit Dänemark inzwischen die höchsten Haushaltsstrompreise in Europa, vermutlich sogar der Welt. Der Preis setzt sich etwa so zusammen (Haushaltstrompreis 2015 für 3.500 kWh/a; Basis: BDEW Strompreisanalyse Mai 2016, entnommen aus FOCUS-Money):

Der deutsche Energiemarkt wurde im letzten Jahrzehnt liberalisiert und zugleich stärker reguliert. Dabei ermöglichte erst die Regulierung der Netze den Wettbewerb im Vertrieb. Außerdem wurden -  vorrangig beim Strom - diverse Förderprogramme aufgelegt, die zum Anschub der erneuerbaren Energien Wind und Solar dienen sollen. Mit diesen teils wenig durchdachten Umverteilungszuschüssen wurde der Markt verzerrt. Die Politik erkennt mittlerweile das angerichtete Unheil und die Auswirkung auf die deutsche Wettbewerbsfähigkeit und deckelt nun die Erträge der Energieversorger. Die Verbraucher sollen entlastet werden, was zu begrüßen ist. Die Versorger geraten dadurch aber auf breiter Front in schwierige Lagen, teilweise geht dies bis zur Existenzbedrohung. Da wird es immer schwerer, nachhaltig zu arbeiten, wenn das Geld fehlt.

 

2.3 Soziale Nachhaltigkeit

2.3.1 Soziales Engagement, Aktivitäten in der Stadt fördern

Die Stadtwerke Hattingen unterstützen das soziale Leben in Hattingen auf vielfältige Weise. Ziel ist es, den Zusammenhalt der Bürger zu stärken und die Attraktivität der Stadt zu erhalten.

Die Stadtwerke beteiligen sich im Rahmen ihrer Öffentlichkeits- und Werbearbeit an Aktionen von Kindergärten, Schulen und Sportvereinen, an Stadtfesten, Ferienfreizeiten und anderen Veranstaltungen.

 

2.3.2 Kunden aktiv am Betrieb teilnehmen lassen

Die Stadtwerke sehen sich als Dienstleister für die Hattinger Bürger. Die Zusammenarbeit mit den Kunden ist für uns geboten und wichtig, die Kundenzufriedenheit eines unserer obersten Ziele. Derzeit beschränkt sich deren Möglichkeit, mit den Stadtwerken in Kontakt zu treten, auf die allgemein üblichen Instrumente, also Besuche im Kundenzentrum, Telefonate und Briefe/Emails. Um aber auch einmal unmittelbar mit der Geschäftsleitung reden zu können, ist geplant, 2016 einen Kundenbeirat einzurichten. In drei jährlichen Zusammenkünften können die Kunden und Bürger in diesem Gremium Kritik und vielleicht auch Lob aussprechen. Ziel ist eine stärkere Beteiligung und Identifikation mit den Stadtwerken durch Vertrauensbildung, aber auch eine noch stärkere Kundenorientierung der Geschäftspolitik.

 

2.4 Ökologische Nachhaltigkeit

2.4.1 Vorsicht bei Investitionen im Rahmen der Energiewende – Europa global bedeutungslos

Als Leitung eines Stadtwerkes befindet man sich derzeit in einer echten Zwickmühle. Einerseits muss - ökonomisch nachhaltig - im Wettbewerb Geld verdient werden, und dazu könnten auch Investitionen z.B. in die drei erneuerbaren Energien Wind, Strom und Wasser in Betracht kommen. Andererseits ist wegen rasend schneller Gesetzesänderungen äußerste Vorsicht geboten. Es besteht das Risiko, durch zu schnelles Einschwenken auf neue Trends sehr viel Geld zu verlieren, wenn sich diese als unrealistisch erweisen sollten.

Diese Gefahr ist real, auch wenn in Deutschland regierungsseitig großer Enthusiasmus verbreitet wird. Immer noch entwirft die Bundesregierung ihre zahllosen Rechtsvorschriften anhand höchst anspruchsvoller politischer Ziele:

  • 80% Einsparung aller verbrauchter Energie (für Wärme, Treibstoffe und Strom) bis 2040
  • Erzeugung der restlichen 20% aus den drei erneuerbaren Energien Wind, Solar und Wasser
  • Stopp aller Verbrennungsprozesse bis 2040 (= "Dekarbonisierung" gemäß Klimaabkommen von Paris)

Das ist ambitioniert, steht jedoch in krassem Widerspruch zu den Daten der globalen Experten, die einen weiteren weltweiten Anstieg des fossilen Energieverbrauchs prognostizieren. Denn entgegen den deutschen Einsparungsvorgaben hat der Primärenergieverbrauch der Welt von 1990 bis 2015 nicht ab-, sondern um satte 63 % zugenommen. Die drei Erneuerbaren hatten dabei 2015 einen Verbrauchsanteil von global nur 2,8 % (diese Zahlen stammen von der OPEC und von BP aus ihren umfassenden jährlichen Zahlenwerken zum tatsächlichen Energieverbrauch der Menschheit).

Übrigens ist auch in Bayern der Energieverbrauch in den letzten 10 Jahren um 30 % gestiegen (Quelle: Zeitschrift für kommunale Wirtschaft) – von realen Einsparungen ist man bei uns weit entfernt.

OPEC und BP gehen auf Basis der vorliegenden Daten von einer weiteren deutlichen Zunahme des Weltverbrauchs bis 2040 um etwa ein Drittel aus – bezogen auf die bereits hohen Zahlen von 2015. Eine Reduktion des Verbrauchs - zumal um die „deutschen 80 %“ - wird als unrealistisch betrachtet, denn nicht mehr Europa oder andere "alte" Industriestaaten bestimmen den Weltenergieverbrauch, sondern die Entwicklungsländer.

Deutschland hatte 1990 noch einen Anteil am globalen Energieverbrauch von 4,4 %, dagegen waren es 2015 - mit weiter abnehmender Tendenz - gerade noch 2,4 %. China verbrauchte 1990 nur 8,6 % der Weltenergie, 2015 waren es schon 23,0 %. Südamerika hat seinen Verbrauch seit 1990 auf einen Weltanteil von 6,7 % verdoppelt, Indien in den letzten 25 Jahren sogar mehr als verdreifacht (Weltanteil 2015 = 5,3 %). Schließlich die Weltmeister im Pro-Kopf-Verbrauch, die USA und Kanada: sie haben trotz Unterschrift unter diverse Klimaabkommen immerhin noch 17,9 % mehr Energie verbraucht als 1990 (Weltanteil 2015: 19,9 %).

Fakt ist: Europa bestimmt nicht das Weltklima, schon gar nicht der „Verbrauchszwerg“ Deutschland. Warum gerade wir durch die Energiewende – vorerst fast nur beim Strom - eine derart hohe Belastung von Wirtschaft und Verbrauchern produzieren, sollte angesichts der globalen Wirkungslosigkeit unserer Bemühungen noch einmal deutlich hinterfragt werden.

OPEC und BP rechnen in ihren Reports durchaus mit einem Wachstum der drei Erneuerbaren, jedoch weltweit bis 2035 bzw. 2040 nicht über 10 % Anteil am Weltverbrauch.

Das Abkommen von Paris ("1,5 bis 2 % Grad weniger durch Dekarbonisierung") bedeutet für die deutsche Regierung das Ende von Verbrennungsprozessen. Jedoch wird es fast überall auf der Welt völlig anders interpretiert, nämlich als Anreiz für den stärkeren Einsatz der in Deutschland kritisch bewerteten Atomenergie. Zusätzlich zu den weltweit vorhandenen 440 Atommeilern sind derzeit etwa 160 neue Kernkraftwerke genehmigt, fast 80 befinden sich davon im Bau: in China, im Iran, im sonnenreichen Ägypten, in Russland, in England, in Südafrika usw.

All das ist extrem weit von den auf Seite 11 genannten Annahmen der deutschen Regierung entfernt, die beabsichtigt, mit ihrer teuren Energiepolitik das Weltklima zu retten - ein ehrgeiziges Ziel bei einem deutschen Anteil am Weltverbrauch von minimalen 2,4 %.

Die WELT hat am 20.06.2016 anhand einer Greenpeace-Studie deutlich gemacht, was bei uns getan werden müsste, um dem deutschen Klimaziel nahezukommen. Die drastischsten Forderungen lauten:

  • ab sofort (!) dürften keine Hausheizungen mit Brennern (z.B. Brennwertthermen) mehr hergestellt und ab 2025 nicht mehr eingesetzt werden, nur noch Wärmepumpen,
  • ab 2020 gäbe es wegen der damit verbundenen Gasverbrennung keine Kraft-Wärme-Kopplung mehr,
  • ab 2025 müsste die Produktion aller Verbrennungsmotoren gestoppt werden,
  • Verfünffachung der derzeitigen Stromerzeugung zur Produktion von Wärme und zur "Betankung" des Straßen-, Luft- und Schiffsverkehrs (Technologien vorausgesetzt),
  • für diese Stromproduktionssteigerung bis zu viermal so viele Windkraftanlagen wie heute.


Der Titel dieses WELT-Artikels ist bezeichnend: „Die absurden Auswüchse des Klimaschutzes“. Würde Deutschland z.B. keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr bauen, übernähmen andere Nationen wohl gern die frei werdenden Märkte, denn die Welt wird gewiss nicht ausschließlich elektrisch fahren. Immerhin wären weltweit derzeit rund 1,5 Milliarden (!) Kfz durch Elektromobile zu ersetzen und mit zusätzlich zu erzeugendem Strom zu "betanken" – selbst Greenpeace räumt die Unmöglichkeit ein.

Elektroautos sind ohnehin nur dann umweltfreundlich(er), wenn sie mit regenerativem Strom betrieben werden. Bei fossilem Strom ist ihre Bilanz viel schlechter. So musste ein Tesla-Käufer Anfang 2016 in Singapur 15.000 Dollar Strafsteuer zahlen, weil der Strombezug seines Fahrzeugs (aus Gaskraftwerken) einem CO2-Ausstoß von 222 g/km entspricht – der normale Wert eines starken Motors.

Die jetzt favorisierte Wärmepumpe steht seit Jahren in der Kritik (Quelle: WELT). Die Leistungszahl von „1:4“ (= 1 kWh Stromeinsatz bringt 4 kWh Wärmeausbeute), die den Wirtschaftlichkeitsberechnungen zugrunde gelegt wird, erreichen nach einer Fraunhofer-Untersuchung von 2011 nur die teuren Erdreich-/Wasserpumpen, bei denen aufwendige Erdbohrungen erforderlich sind. Außenluftwärmepumpen schaffen danach nicht die für einen wirtschaftlichen Betrieb erforderliche Leistungszahl von 1:3.

Andere Länder betrachten ihre bisherige "Energiewende" mittlerweile als unrealistisch und handeln entsprechend: Dänemark hat im Mai 2016 die gesamte Solar- und Windförderung gestoppt und verstärkt die Kohleverstromung. Man tue dies, "um die Wirtschaft zu entlasten". Auch in der Schweiz hat die Diskussion um die Realisierbarkeit der eigenen Energiewende gerade begonnen. Großbritannien hat soeben das Umweltministerium abgeschafft.

Auch die Bundesregierung rudert bereits zurück. Mit der Novelle des EEG-Gesetzes vom Juli 2016 legt der Staat unter Protest diverser Ökoverbände keine garantierten Ökostrompreise mehr fest. Wer langfristig auf diese Garantien vertraut hat, sieht sich benachteiligt. Diese Entwicklung macht sehr deutlich, dass derzeit große Vorsicht bei Investitionen in erneuerbare Energien geboten ist.

 

2.4.2 Öko-Trends: Leuchtenkoffer, regenerativ erzeugter Strom, Energieausweis, Erdgasfahrzeuge

Generell stehen die Stadtwerke neuen ökologischen Trends aufgeschlossen gegenüber, vorausgesetzt, der Nutzen für Anwender und Umwelt ist erkennbar. So unterstützen die Stadtwerke den Trend zu einer energieeffizienteren Beleuchtung seit 2016 durch die kostenlose Ausleihe von drei Leuchtenkoffern zu Testzwecken. Stadtwerke-Kunden erhalten für mehrere Tage kostenlos einen Prüfkoffer mit diversen Testgeräten und LED-Leuchten, mit deren Hilfe zuhause oder im Betrieb getestet werden kann, welche Glühbirnen durch stromsparende LEDs ersetzt werden können. Ausgeliehen werden können die Koffer im Stadtwerke-Kundenzentrum und in der Geschäftsstelle des "Stadtspiegels".

Im Rahmen unseres Portfolios bieten wir natürlich auch regenerativ erzeugten Strom, dem heute allgemein eine stärkere Nachhaltigkeit zugeschrieben wird als konventionell erzeugtem. Die Preisdifferenz ist gering, der Kunde hat die Wahl.

Der bei Hausverkäufen und Wohnungsvermietungen gesetzlich vorgeschriebene Energieausweis wird von den Stadtwerken Hattingen finanziell unterstützt. So gibt es den Verbrauchsausweis bei uns für ein Einfamilienhaus zum Festpreis von 110 €, den umfassenderen Bedarfsausweis für 330 €.

Den Kauf eines Erdgasfahrzeugs oder die Nachrüstung fördern die Stadtwerke mit einem Tankgutschein über 500 kg Gas (entspricht ca. 750 Litern Benzin).

 

2.4.3 Elektromobilität unterstützen

Noch ist die erfolgsentscheidende Akku-Technik bezüglich Reichweite, Ladedauer und Kosten nicht so ausgereift, wie dies für den breiten Durchbruch der Elektromobilität unabdingbar wäre. Aber genau deshalb unterstützen die Stadtwerke die Entwicklung:

a) Im Rahmen eines zweijährigen Förder- und Forschungsprojektes des Bundesumweltministeriums setzen wir von Februar 2016 bis Ende 2017 zwei Elektroautos BMW i3 zu Testzwecken ein. Das Projekt wird von der Universität Duisburg-Essen wissenschaftlich begleitet. Ziel ist es, Elektroautos alltagstauglicher zu machen. Stadtwerke-Kunden können unter bestimmten Bedingungen ein solches Fahrzeug für einen Tag oder sogar ein ganzes Wochenende kostenlos ausleihen und testfahren. Anschließend wird um Multiple-Choice-Antworten auf einige Fragen gebeten.

Im 2. Halbjahr 2016 werden die beiden Autos von der BMW AG mit den neuen Akkus nachgerüstet, die im Alltagsbetrieb bei ruhiger Fahrweise eine höhere reale Reichweite von etwa 200 Kilometern ermöglichen sollen. Dieser technische Fortschritt soll den testenden Kunden vermittelt werden. Nach BMW-Angaben haben die Verkaufszahlen seit dieser Modellpflege angezogen - dringend nötig, denn im ersten Halbjahr 2016 wurden in Deutschland nur 823 Stück i3 verkauft.

b) An unserer hauseigenen Auto-Ladestation (Typ 2, 11 kW) können seit Anfang 2016 Elektromobilfahrer ihren Auto-Akku kostenlos aufladen, ebenfalls an unserem Betriebssitz Gasstraße 1. Die Station steht während unserer Geschäftszeiten (montags – freitags 8 – 16 Uhr, freitags 8 – 12 Uhr) bereit.

 

2.4.4 Wasserqualität als Beispiel für selbstverständliche Nachhaltigkeit

Von der Bevölkerung als Selbstverständlichkeit empfunden, mag unser Trinkwassermanagement als Beispiel für jahrzehntelanges nachhaltiges Handeln der Stadtwerke dienen. In weiten Teilen der Welt ist Leitungswasser gar nicht vorhanden, und schon in einigen Teilen Europas kann man es zwar der Leitung entnehmen, vom Verzehr wird aber abgeraten. In Deutschland dagegen ist die Wasserwirtschaft ein ausgezeichnetes Beispiel für Nachhaltigkeit. Seit rund 100 Jahren versorgen qualifizierte Einrichtungen - meist in kommunalem Einfluss - unter penibler Beachtung der strengen Hygienevorschriften die deutsche Bevölkerung mit hochwertigem, sauberem Leitungswasser, das sogar als Lebensmittel für Säuglinge verwendet werden kann. Natürlich handeln auch die Stadtwerke Hattingen entsprechend - tagtäglich und selbstverständlich. Wir prüfen die Wasserqualität sogar öfter, als es die Vorschriften fordern.

 

3. Schlussbemerkungen

Wir arbeiten seit vielen Jahren nachhaltig, allen Widrigkeiten zum Trotz, denn wir wollen, dass die Stadt Hattingen und die Stadtwerke eine gute Zukunft haben. Dies geht aber nur, wenn auch zukünftig Geschäftsfelder vorhanden sind, auf denen Geld verdient werden kann. Die einzige Sicherheit sind derzeit die Netze, während die Kundenlösungen völlig offen sind. Niemand kann einschätzen, ob es in 15 Jahren z.B. noch einen Stromvertrieb oder ganz andere Lösungen geben wird.

Ökonomisch haben die Stadtwerke durch scharfen Wettbewerb und stark begrenzende Regulierungsvorgaben nur noch einen engen Spielraum. Dieser wird durch eine kritikwürdige Bundes- und Landesenergiepolitik weiter eingeschränkt: welcher Sachverstand steckt z.B. hinter der Regelung, dass bei sinkenden Einkaufspreisen an der Strombörse der Preis für Privatverbraucher dennoch steigt, weil dann nämlich die EEG-Ökostromumlage angehoben wird?

 

Hattingen, im August 2016

 

 

Jürgen Wille, Diplom-Kaufmann

Geschäftsführer Stadtwerke Hattingen GmbH